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Eitempera – mein Rezept

pigmenteJahrtausendelang haben Menschen mit natürlichen Materialien gemalt. Schon vor etwa 30000 Jahren haben unsere Vorfahren bunte Erde benutzt um Tiere auf Höhlenwänden abzubilden und auch auf ägyptischen Sarkophagen lässt sich Farbe mit Ei als Bindemittel nachweisen.

Im 14. Jahrhundert kam schließlich die Eitempera/Tempera grassa auf. Diese Mischung aus Ei und Leinöl ist heute mein bevorzugtes Malmittel, da sie sich, anders als reines Eigelb, auch für das Malen auf Leinwand eignet.

Eigentlich erstaunlich, dass mir so lange nicht bewusst war, dass es diese Farbe überhaupt gibt. Vorher habe ich jahrelang mit Acryl gemalt, bis ich mich schließlich gefragt habe, was für eine Farbe dieses Acryl überhaupt ist. Was ist da drin? Womit male ich da eigentlich? Also habe ich begonnen, mich für mein Material zu interessieren und nachzuforschen. So habe ich vor einigen Jahren die Arbeit mit Eitempera und Erdpigmenten für mich entdeckt.

Eitempera muss immer wieder frisch zubereitet werden und verdirbt vergleichsweise schnell. Möglicherweise ist das einer der Gründe, warum sie schließlich im 15. Jahrhundert von Ölfarben verdrängt wurde.

Ein gleichwertiger Ersatz für Ölfarbe ist sie ohnehin nicht, dazu ist die Wirkung dieser beiden Malmittel zu unterschiedlich. Eitempera ist zwar eine Art wasservermalbare Ölfarbe, zeichnet sich aber durch eine luftige Mattigkeit aus, die vor allem in Kombination mit Erdpigmenten eine besonders schöne Wirkung erzielt. Ölfarben bestechen hingegen durch Tiefenlicht. Als gesunde und umweltfreundliche Alternative zu der, auf Erdölbasis hergestellten, Acrylfarbe ist sie aber absolut zu empfehlen. Eitempera ist wirklich ein ganz tolles Bindemittel, mit ganz besonderen Eigenschaften, die sie einzigartig macht.

Man mischt einfach Ei mit Leinöl und Wasser, gibt Pigment dazu und fertig ist die Farbe. Das Malen ist natürlich anders als mit Acryl. Ich finde die Farbe geschmeidiger, sie verlangt aber auch mehr Geduld und Sorgfalt. Die Leuchtkraft ist toll und anders als bei fertigen Farben, weiß ich was drin ist. Das Herstellen der Farbe hat bei mir auch zu einem bewussteren Umgang mit meinem Material geführt, was sich letztlich positiv auf meine Malerei ausgewirkt hat.

Wer Ei in Farben nicht mag, der kann das Malen mit Quark ausprobieren. Ich hab zwei ganze Zimmer mit Kaseinfarbe aus Magerquark mit Champagnerkreide gestrichen. Es roch zugegebenermaßen merkwürdig (nach Käse! Aber nur für ein paar Tage), klappte aber ansonsten wirklich super. Die Farbe lässt sich sehr gut streichen und die Kreide deckt sehr gut. Ich benutze Kaseinfarbe auch als Gesso unter Eitempera.

Zusätzlich zu natürlichen Bindemitteln benutze ich gerne echte Erdpigmente. All diese Erden, wie Ocker, Venetianischrot, grüne Erde, Umbra etc. zeichnen sich durch eine zurückhaltende Buntheit aus.
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Ein einfaches Rezept zur Herstellung einer mageren Eitempera:

eitempera

1 Raumteil Ei
1 Raumteil Leinöl oder Leinölfirnis *
1-2 Raumteile Wasser
evtl. einige Tropfen Nelkenöl zur Konservierung

Ein ganzes Ei (möglichst frisch und aus artgerechter Haltung/Bio.) in ein sauberes Schraubglas geben. Deckel drauf und kräftig schütteln.

Die beiden Eierschalen nacheinander mit Leinöl(firnis) füllen und langsam zum gequirlten Ei dazugießen. Deckel wieder drauf und gut schütteln, bis sich alles vermischt hat. Jetzt die beiden Eierschalen mit Wasser füllen, dazugießen, wieder zuschrauben und erneut schütteln. Es kann auch mehr Wasser dazugegeben werden ( 1-2 Raumteile haben sich für mich bewährt)

Fertig ist die Tempera! Ein tolles Bindemittel für wasservermalbare Farben. Kein Benzin oder Terpentin zum Malen und Reinigen der Pinsel nötig. Die Tempera lässt sich im Kühlschrank eine Weile aufbewahren – gut verschlossen und ohne Verunreinigungen hält sie Wochen oder gar Monate.

Zum Malen einfach ein wenig Eitempera in ein Gefäß geben und die gewünschten Pigmente untermischen. Je mehr Pigment, desto pastöser wird die Farbe. Alternativ kann man auch Pigment und einen Füllstoff (z.B. Kreide, die in Tempera transparent bleibt) dazugeben. Ich selbst mag meine Eitempera jedoch sehr dünnflüssig.

Eitempera mit Pigment vermischt ist allerdings nicht so gut haltbar und sollte möglichst am gleichen Tag verbraucht werden. Am besten immer nur kleine Mengen Farbe anrühren.
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*Leinölfirnis gibt es im Künstlerbedarf oder im Baumarkt zur ökologischen Holzbehandlung. Er besteht aus Leinöl mit sogenannten Sikkativen (Trockenstoffen), die eine schnellere Trocknung bewirken.

Alternativ kann man aber auch z.B. 2/3 Leinöl + 1/3 Dammarfirnis (enthält allerdings Terpentin oder ähnliches) nehmen..
Die ökologischste Variante ist die Verwendung reinen Leinöls. Hierbei ist die Trockenzeit allerdings länger

*VORSICHT! Leinölfirnis kann sich selbst entzünden. Deshalb nie mit Leinöl getränkte Lappen oder Tücher zerknüllt irgendwo rumliegen lassen. Entweder wässern oder in einen luftdicht verschlossenenen Behälter geben. STEHT ABER AUCH NOCHMAL GENAUER AUF JEDER LEINÖL(FIRNIS)VERPACKUNG

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KLEINER NACHTRAG: Ich weiß es jetzt sicher! Eitempera ist sehr haltbar. Ein weißes (Kunststoff-)Zelt, das zwischenzeitlich mit Eitempera und Erdpigmenten umgefärbt wurde lässt sich sogar in der Waschmaschine waschen, ohne dass die Farbe Schaden nimmt. Das hat mich dann doch überrascht…

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